Mollenhauer Flûtes à bec sera aux Journées de musiques anciennes à Vanves (21 > 23 novembre 2014)
 
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Fachmagazin Blockflöte




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Ölen – genau erklärt

Alle Holzblockflöten müssen in gewissen Zeitabständen geölt werden, um vor der beim Spielen entstehenden Feuchtigkeit geschützt zu sein. Hierdurch bleiben Klang und Ansprache in voller Schönheit erhalten. Anderenfalls laugt das Holz aus, die Oberflächen im Bereich der Innenbohrung werden rau, und es könnten beim Quellen und Trocknen sogar Risse oderMaßveränderungen entstehen.

Die Häufigkeit des Ölens hängt von der Holzart und der Beanspruchung des Instrumentes ab, denn die vom Blockflötenbauer vorgenommene Imprägnierung verbraucht sich im Bereich der Holzoberflächen durch die im Instrument auftretende Feuchtigkeit. In der Regel sollte man zwei- bis dreimal im Jahr ölen. Beobachten Sie Ihr Instrument: Beginnt das Holz, in der Innenbohrung matt und grau zu werden, benötigt es Öl. Glänzt es dagegen leicht fettig, dann ist es noch gut versorgt.

Leinöl ist das traditionelle Holzbläser-Öl. Es härtet zu einem glatten, feinen Film aus, der Ihre Flöte besonders gut gegen Feuchtigkeitseinflüsse schützt, und wäscht sich nicht so schnell wieder aus, wie zum Beispiel das dünnflüssigere Mandelöl.
Achtung: Mit Leinöl getränkte Lappen können sich selbst entzünden!
Lassen Sie deshalb Tücher, die Sie zum Ölen verwendet haben, ausgebreitet an der Luft trocknen. Wenn das Öl ausgehärtet ist, können Sie die Lappen in den Hausmüll geben.

Block und Windkanal dürfen nicht mit Öl in Berührung kommen! Dies ist die wichtigste Grundregel, die unbedingt beachtet werden muss. Das Öl hat die Aufgabe, das Holz durch seine Wasser abstoßende Wirkung zu schützen. Im Bereich von Block und Windkanal ist dies jedoch unerwünscht: Der Block soll in der Lage sein, das Kondenswasser aufzusaugen. Hier würde Öl zu störender Tröpfchenbildung und somit zu Heiserkeit führen. Deshalb wird das Kopfstück beim Ölen stets aufrecht gehalten, damit kein Öl aus der Innenbohrung an die Stirnfläche des Blocks fließen kann. Blöcke aus Synpor dürfen in keiner Weise mit Öl in Berührung kommen.

Das Mollenhauer-Pflegeset (Best.-Nr. 6132) enthält u.a. folgende Materialien, die Sie zum Ölen Ihrer Blockflöte benötigen: Blockflötenöl, Antikondens, Wischerbürste, Kunststoffwischerstange, Holzwischerstange, Kleiner Pinsel, Pfeifenputzer, Fettstift. Zusätzlich brauchen Sie: ein kleines Baumwolltuch (saugfähig, aber nicht fusselnd!), eine Unterlage zum Ablegen der geölten Flötenteile.

Ölen in vier Schritten

1. Schritt: Instrument vorbereiten
Nur ein völlig trockenes Instrument wird geölt, damit das Öl wirklich in alle Poren eindringen kann und nicht etwa vorhandene Restfeuchtigkeit im Holz einschließt. Das bedeutet, dass Sie Ihre Flöte mindestens 12 Stunden vor dem Ölen nicht mehr spielen sollten.


Blockflötenklappen müssen geschützt werden, denn weder die Polster noch die Mechanik selbst dürfen mit dem Öl in Berührung kommen. Die verwendeten pflanzlichen Öle härten aus und würden die Beweglichkeit der Klappe beeinträchtigen. Deshalb schieben Sie ein zusammengefaltetes Stück Frischhaltefolie zwischen Tonloch und Klappenpolster, damit kein Öl aus der Bohrung heraus an die Klappe dringen kann. Die Flötenteile stets so halten, dass die Klappen nach oben schauen!

 

2. Schritt: Flötenteile ölen
Mittelstück und Fuß werden mit Hilfe des Wischerstabes und eines
ölgetränkten kleinen Baumwolltuches (nicht fusselnd!) oder eines Stückes Küchenkrepp innen gründlich eingeölt und zum Einziehen abgelegt.
Flötenteile mit Klappen werden dabei so ausgerichtet, dass sie mit den Klappen nach oben liegen.

Der Flötenkopf erfordert besondere Sorgfalt: Das Kopfstück mit dem Schnabel nach oben halten, damit kein Öl in Richtung Block fließen kann. Den Wischerstab mit dem Tuch nun von unten in die Innenbohrung der Flöte einführen und mit leichten Drehungen bis kurz vor den Block schieben. Dabei durch die Aufschnittöffnung („Fenster”) beobachten, damit kein Öl an die Stirnfläche des Blockes gelangt!

Das Labium wird mit dem kleinen Pinsel eingeölt, ohne den Block zu berühren. Bei größeren Instrumenten können auch die Seitenwände (Schenkel) des Fensters geölt werden – bei kleineren (Sopranino, Sopran) sollte man davon absehen, damit kein Öl in den Windkanalbereich kriechen kann. Die Rückseite des Schnabels kann zur Auffrischung des Holzes mit einem winzigen Tropfen Öl eingerieben werden, nachdem man ihn von Verschmutzungen gereinigt hat.

Geölte Blockflöten werden von außen mit einem leicht öligen Lappen abgerieben: Dadurch lebt die Maserung wieder auf, selbst kleine Kratzer und Gebrauchsspuren verschwinden.

Lackierte Flöten werden von außen nicht geölt. Von innen dürfen Sie geölt
werden, jedoch vorsichtig und nicht zu feucht.

 

3. Schritt: Öl einwirken lassen
Lassen Sie das Instrument mindestens 10 Stunden ruhen. Hierzu muss das Kopfstück senkrecht aufgestellt werden, damit kein Öl zum Block läuft.

 

4. Schritt: Restliches Öl abwischen
Entfernen Sie überschüssiges Öl, indem Sie alle Flötenteile mit einem sauberen Tuch gründlich trocken reiben. Dieser Arbeitsschritt darf auf keinen Fall ausgelassen werden, denn überschüssiges Öl kann zu einem ranzigen, klebrigen Film verharzen, der sich nur sehr schwer wieder entfernen lässt.
Trocknen Sie die Tonlöcher mit Hilfe eines Pfeifenputzers, denn Öl, das hier stehen bleibt, kann die Stimmung Ihrer Blockflöte nachteilig beeinflussen.

 

Siehe auch Artikel aus dem Windkanal 2000-4: "Eine ölige Sache" Ölen oder nicht ölen – das ist hier die Frage.

 

Und das Video dazu ...